Bahn-Privatisierung
Der ambitionierte Herr M.
VON ANNA SLEEGERS

Noch bevor der Bundestag den Teilbörsengang der Deutschen Bahn abgesegnet hat, gibt sich Bahnchef Hartmut Mehdorn siegessicher. Wie er am Dienstag vor Wirtschaftsjournalisten in Frankfurt bekannte, rechnet er nach dem Börsengang im November mit einem Platz im Dax.
Unklar sei lediglich, ob es für eine außerplanmäßige Aufnahme in den Leitindex reiche. Nach einem jahrelangen Streit stimmt das Parlament an diesem Freitag darüber ab, ob 24,9 Prozent des Unternehmens an der Börse verkauft werden.
Die Federführung des für den 5. November geplanten Börsengangs sollen die Deutsche Bank und die US-Investmentbank Morgan Stanley übernehmen. Auch die Schweizer UBS und Goldman Sachs sind mit von der Partie. Für sie ist das letzte große Privatisierungsvorhaben der Bundesrepublik ein Glücksfall. Denn wegen der anhaltenden Finanzmarktkrise ist derzeit mit Börsengängen kaum Geld zu verdienen.
In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass die Bahn-Emission fünf bis sechs Milliarden Euro einspielt. Die beteiligten Banken berechnen im allgemeinen eine Gebühr von zwei bis fünf Prozent des Emissionsvolumen. Sollte das Projekt Bahnprivatisierung glücken, peppen daher ein paar hundert Millionen Euro die Erträge des mageren Jahres auf.
Schuldig blieb Mehdorn jedoch eine Antwort auf die Frage, warum der Börsengang überhaupt nötig ist. Immerhin könnte sich die Bahn ja deutlich billiger Geld am Anleihemarkt beschaffen. Da das Ausfallrisiko eines Unternehmens, hinter dem die Bundesrepublik Deutschland steht, gegen Null geht, bescheinigen die internationalen Ratingagenturen der Deutschen Bahn eine sehr gute Bonität.
Wahrscheinlich ist es eine Frage der Weltanschauung. Der Bahn-Chef will den Einfluss der Politik zurückdrängen. In seinen Augen ist der Staat nicht fähig, ein Unternehmen zu führen. "Er kann noch nicht einmal ein Einwohnermeldeamt führen", sagt Mehdorn süffisant. Vielleicht sollte er einmal versuchen, an den chronisch unterbesetzten Informationsschaltern seines eigenen Unternehmens bedient zu werden.
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Dokument erstellt am 28.05.2008 um 17:36:02 Uhr
Letzte Änderung am 29.05.2008 um 09:40:15 Uhr
Erscheinungsdatum 29.05.2008

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